Gasteiner Heilstollen
Radonwärmetherapie: Krankheiten natürlich begegnen
11.02.2014
Porträt des ärztlichen Leiters
11.02.2014
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Interview mit Univ. Doz. Dr. med. Bertram Hölzl

 

1. Was unterscheidet den Gasteiner Heilstollen von anderen Heilstollen?

Im Gegensatz zu anderen Heilstollen, die meistens mit reiner, allergenfreier Luft arbeiten und daher schwerpunktmäßig für Atemwegserkrankungen wirksam sind, bietet der Radon-Thermal- Heilstollen ein kombiniertes Heilklima aus Radon, hoher Lufttemperatur und hoher Luftfeuchte.
 

2. Was bewirken Lufttemperatur und Luftfeuchte?

Lufttemperaturen von 37,5 bis 41,5 °C sowie die Luftfeuchte von 70 bis 100% bewirken zusammen nachweisbar eine leichte Hyperthermie, sozusagen ein gewünschtes therapeutisches Fieber. Dadurch steigt die Körperkerntemperatur auf 38 bis 38,5 °C. Langjährige Erfahrungen zeigen, dass allein diese milde Überwärmung zu einer Entspannung schmerzgeplagter Muskeln führt und immunstabilisierend wirkt. Darüber hinaus erhöht sich im leicht überwärmten Zustand die Aufnahmefähigkeit des Organismus für das Naturheilmittel Radon.
 

3. Wie wirkt das Radon?

Nach der Aufnahme des Radons über Lunge und Haut verteilt es sich im Körper. Freiwerdende milde Alphastrahlung regt den Zellreparaturmechanismus des Körpers an und reduziert die Zahl der freien Radikale. Zudem aktiviert sie heilungsfördernde und entzündungshemmende Botenstoffe, die chronischen Entzündungen und Allergien entgegenwirken. Die beschriebene Hyperthermie verstärkt die Wirkung des Radons. In der Folge kommt es zu einer lang anhaltenden und tief greifenden Linderung von Schmerzzuständen und Beschwerden. Patienten sparen Medikamente über Monate hinweg ein.
 

4. Gibt es wiss. Auswertungen über den Erfolg solcher Kuren für die Gesundheit?

Es gibt zahlreiche wissenschaftliche Studien, die die Erfolge der Radonwärmetherapie hinsichtlich der Reduktion von Druckschmerzwellen, Schmerzintensität, funktionellen Einschränkungen und Medikamentenverbrauch belegen. Speziell für Morbus Bechterew, rheumatoide Arthritis und degenerative Rückenund Gelenkleiden liegen sogar randomisierte Effektivitätsnachweise vor. Zudem laufen im Forschungsinstitut Gastein fortwährend verschiedene Untersuchungsreihen, um die Wirksamkeit der Radonwärmetherapie im Hinblick auf weitere Krankheitsbilder zu untersuchen.
 

5. Wer darf eine Radonwärmetherapie antreten? Gibt es keine Gefahren und Nebenwirkungen?

Kontraindikationen für eine Radon-Therapie sind Schwangerschaft und unbehandelte Hyperthyreose. Bei Patienten mit einer Krebserkrankung ist ein Abstand von einem Jahr zur abgeschlossenen Therapie zu wahren. Wegen der kombinierten Wärmetherapie empfehlen wir bei schweren Herz-, Kreislauf und Nierenerkrankungen ärztliche Rücksprache. Allen anderen Patienten steht die Radonwärmetherapie uneingeschränkt offen. Es handelt sich um eine sehr nebenwirkungsarme Behandlungsmethode.
 

6. Zählt die Inhalation von Radon nicht zur zweithäufigsten Ursache für Lungenkrebs?

Die Risiken von Radonstrahlen werden seit mehreren Jahrzehnten kontrovers diskutiert. Dazu gehören auch die Fragestellungen rund um Gegenden mit erhöhten natürlichen Hintergrundstrahlungen. Anderen Risikofaktoren wie beispielsweise Rauchen oder Passivrauchen kommen in der praktischen Betrachtung jedoch weitaus höhere Bedeutung bei der Entstehung des Lungenkrebs zu.

Zudem kommt es immer auf die Dosis an! Es gibt seit 60 Jahren keinen Hinweis darauf, dass die natürliche Radonexposition bei der Heilstollen-Therapie ein erhöhtes Krebsrisiko, insbesondere für die Lungen, mit sich bringt. Dies gilt auch für regelmäßige Anwendungen wie etwa zwei Kuren pro Jahr. Und letztendlich verfahren wir bei der Radonwärmetherapie wie bei allen medizinisch-therapeutischen Verfahren: Bei einer Therapie gilt es immer, Vor- und Nachteile abzuwägen. Ein Schmerzpatient, der über Jahre Medikamente zu sich nimmt, setzt sich einem sehr hohen gesundheitlichen Risiko aus. Die Alternative ist entweder ein Leben mit unerträglichen Schmerzen oder beispielsweise eine Radonwärmetherapie verbunden mit einem verschwindend geringen gesundheitlichen Risiko.
 

7. Wird die Radontherapie von den Krankenkassen anerkannt?

Die einzelnen Formen der Radontherapie – so auch die Gasteiner Heilstollentherapie – gehören zu den anerkannten Kurmitteln. Im Rahmen von bewilligten ambulanten Vorsorgeleistungen oder stationären Rehabilitationen bestehen mit vielen österreichischen und deutschen Sozialversicherungen Direktabrechnungsverträge.