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Pilotstudie zur Wirkung von Radon auf Osteoarthrose

Entwicklung von Knorpel Marker Plots wird untersucht

Ende September startete das Forschungsinstitut Gastein der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität zusammen mit dem Ludwig Boltzmann Cluster für Arthritis und Rehabilitation und der Universitätsklinik für Orthopädie Salzburg und dem Gasteiner Heilstollen eine Pilotstudie zum Thema „Einfluss der Niedrigdosis Radontherapie auf molekulare Marker bei OsteoarthrosepatientInnen“. Im September war die Rekrutierung der Patienten abgeschlossen und 28 mit vom Arzt diagnostizierter Osteoarthrose eines oder beider Kniegelenke nehmen an der zweiarmigen longitudinalen, offenen Pilotstudie teil.

Die Probanden des 1. Studienarms durchlaufen ein zwei Wochen dauerndes Kurprogramm mit zusätzlich 8 Einfahrten in den Gasteiner Heilstollen/Österreich. Im Radonthermalstollen wird seit 1952 das natürliche Klima für eine kombinierte Low-dose-Radon- und Hyperthermie-Therapie (LDRnHT) genutzt. Die Probanden der Kontrollgruppe fahren nicht in den Heilstollen ein, erhalten aber alle im Kurprogramm enthaltenen Zusatztherapien. Der Nachbeobachtungszeitraum von 6 Monaten soll längerfristige Therapieeffekte evaluieren. Zu Beginn, nach 7 Tagen, nach 2 Wochen zum Ende des Kuraufenthalts sowie im Follow-Up nach 3 und 6 Monaten werden Serum-, Plasma- und Urinproben der Patienten für die Bestimmung Knorpelstoffwechsel-spezifischer Parameter untersucht.

Osteoarthrose als häufigste chronische muskuloskelettale Erkrankung betrifft etwa 40 Prozent der Erwachsenen über 70 Jahre. Primär am stärksten von Osteoarthrose betroffen ist der Gelenksknorpel. Biomarker in Blut, Urin oder synovialer Flüssigkeit sollten dynamische und quantitative Veränderungen im Gelenk widerspiegeln und damit Schweregrad und Fortschreiten der Erkrankung unabhängig von radiologischen oder MRT-Untersuchungen diagnostizierbar machen. In einem experimentellen Teil der Studie werden parallel Patienten mit Osteoarthrose des Kniegelenks, die im Belastungsbereich des Gelenksknorpels mit der Studienpopulation der Pilotstudie vergleichbar sind, sich aber aus anderen Gründen einer Knietotalendoprothese unterziehen müssen, rekrutiert werden. Bei der Operation werden Proben genommen und aus dem Knorpelmaterial die Konzentrationen diverser Aufbau- und Abbaumarker des Knorpelmetabolismus bestimmt sowie mit den Konzentrationen im Patientenserum verglichen werden. Auf diese Weise lassen sich die gemessenen Serum- und Urinmarker der Gasteiner Probanden auf ihren diagnostischen Wert überprüfen. „Wenn sich nach der Messung der Biomarker der Gasteiner Probanden Marker herauskristallisieren sollten, die auf die Radontherapie ansprechen und die tatsächliche Situation im Knorpelmaterial widerspiegeln, können aus diesen Werten sogenannte Knorpelmarkerplots generiert werden“, erklärt die wissenschaftliche Studienleiterin Dr. Martina Winklmayr vom Ludwig Boltzmann Cluster für Arthritis und Rehabilitation. Diese Plots ermöglichen Aussagen zur Balance und Umsatzgeschwindigkeit im Knorpelstoffwechsel und können zur
Charakterisierung einer Studienpopulation aber auch zur Beobachtung von individuellen Veränderungen während einer Kur verwendet werden.