Stellungnahme

« Forschungsinstitut Gastein (FOI) der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg »
Die Indikationen für die Gasteiner Heilstollentherapie als kombinierte Hyperthermie-Radoninhalationstherapie mit zusätzlicher Hautbestrahlung bei hoher Luftfeuchtigkeit sind prinzipiell identisch mit den allgemeinen Indikationen der Radontherapie.

Die Hyperthermie hat hierbei einerseits eine eigenständige therapeutische Wirksamkeit und erhöht andererseits die Radonaufnahme und –Verteilung im Körper.

Mit der Heilstollentherapie ist dadurch eine höhere therapeutische Dosis erreichbar und damit ein stärkerer und länger anhaltender therapeutischer Effekt inkl. Medikamenteneinsparung.

Die vordringliche Verabreichung der Gasteiner Heilstollentherapie anstelle einer sonstigen Applikationsform der Radontherapie ergibt sich vor allem aus der drohenden Progredienz, der Schwere und Ausbreitung beim Vorliegen von entzündlichen oder auch nicht-entzündlichen rheumatischen Erkrankungen. Entsprechend ist die Schwere der daraus resultierenden Schmerzbelastung und Funktionseinschränkung ausschlaggebend.

Eine besondere Indikation ergibt sich insbesondere, wenn zum Einen ein eigenständiger milder Hyperthermieeffekt zur Immunstabilisierung und Schmerzlinderung sinnvoll und erforderlich ist und zum Anderen davon auszugehen ist, dass nur über einen möglichst hohen Ausnutzungsgrad der Radonexposition ein ausreichender und anhaltender therapeutischer Effekt zu erreichen ist.

Dies ist aus dem Bereich der Erkrankungen des Bewegungsapparates der Fall

  • bei allen Verlaufsformen und Stadien des M. Bechterew (Spondylitis ankylosans),
  • beim subakuten oder chronischen Stadium der Arthropathia bzw. der Arthritis psoriatica  (in diesem Fall gute Wirksamkeit für Haut und Bewegungsapparat),
  • bei allen subakuten und chronischen Stadien weiterer Spondylarthritiden (wie z.B. im Rahmen eines M. Crohn und einer Colitis ulcerosa),
  • beim subakuten und chronischen Stadium der chronischen Polyarthritis (rheumatoide Arthritis),
  • in jedem Stadium der Fibromyalgie,
  • bei Weichteilrheumatismus (nicht entzündliche Schmerzen an Muskeln und Sehnen),
  • bei polyartikulären Arthrosen,
  • bei schweren monartikulären Arthrosen,
  • bei Schmerzzuständen im Rahmen chronischer Gicht
  • bei schweren degenerativen Wirbelsäulenerkrankungen,
  • bei schweren  Diskopathien und entsprechend
  • bei schweren Polyneuropathien.

Außerdem ist bei Vorliegen von Erkrankungen des Atemtraktes wie COPD, Asthma bronchiale, Heuschnupfen, chronischer Sinusitis jeweils als Hauptdiagnose oder als zusätzliche Diagnose neben einer der o.g. Erkrankungen des Bewegungsapparates der Heilstollen besonders indiziert (kombinierte Wirkfaktoren: „Hyperthermie, Luft-feuchtigkeit, Luftreinheit und direkte Radon-Exposition des Atemtraktes“ hier besonders sinnvoll!).
Analoges gilt durch die Hyperthermie und direkte Radoneinwirkung auf die Haut bei Störungen der Regeneration, Zirkulation und immunologischen Balance der Haut, wie schlecht heilenden Wunden, insbesondere Ulcus cruris, Neurodermitis, Psoriasis vulgaris, Sklerodermie sowie bei peripheren Durchblutungsstörungen leichten Grades.
Besondere Einschränkungen bzw. relative zusätzliche Kontraindikationen sind – neben den o.g. allgemeinen Einschränkungen bei Radontherapie - für die Heilstollentherapie

  • durch die die Berg-Stollen-Situation gegeben bei schweren Formen der Claustrophobie (bei entsprechender Vorbereitung und Begleitung oft jedoch beherrschbar)
  • durch die moderate Hyperthermie gegeben bei
  1. schweren Herz-Kreislauferkrankungen und schweren Herzrhythmusstörungen aufgrund der zu erwartenden Verdopplung des Herzzeitvolumens (endgültige Einschätzung durch den Ärztlichen Dienst im Stollenkurhaus maßgeblich),
  2. bei schweren Nierenfunktionsstörungen bzw. entzündlichen Nierenbeteiligungen im Rahmen einer Autoimmunerkrankung, da die Hyperthermie sich hier ungünstig auswirken kann,
  3. bei akuten Infekten, da die Hyperthermie sich hier ungünstig auswirken kann,
  4. bei akuter Iritis, da die Hyperthermie diese verstärken kann, im hochakuten Schub einer chronischen Polyarthritis bzw. einer Arthritis psoriatica
Univ. Prof. Dr. med. Markus Ritter (Stand: August 2008)