Seronegative Spondyloarthritis

Bei der Diagnose Seronegative Spondyloarthritis ist neben gezielter Physiotherapie ganz besonders die regelmäßige Wiederholung der Gasteiner Heilstollentherapie medizinisch indiziert.

Die Gasteiner Heilstollentherapie ist eine Kombinationstherapie aus moderater Hyperthermie und gleichzeitiger Radon-Inhalation sowie Radon-Hautbestrahlung.
Die Luft-Temperatur von 37,5-41,5°C im Heilstollen sowie die Luftfeuchte von 70% bis 100%  bewirken in der Kombination nachweisbar eine leichte Hyperthermie (eigentlich besser: Ganzkörper-Hyperthermie, d.h. ein Anheben der Körperinnentemperatur durch äußere Einflüsse).
Bei zu hohen Außentemperaturen versucht der Körper durch Schwitzen mit nachfolgender Verdunstung des Schweißes Verdunstungskälte zu erzeugen und damit die Haut zu kühlen.
Im Gasteiner Heilstollenklima kommt durch die Temperaturen von 37,5-41,5°C die Schweißbildung in Gang, der gebildete Schweiß kann aber kaum bzw. gar nicht verdunsten, da die Stollenluft weitgehend gesättigt ist mit Feuchtigkeit. Dadurch steigt die Körperkerntemperatur nachweisbar an auf Werte bis 38,5°C, also auf Bereiche einer moderaten Hyperthermie. (In ähnlicher Form wird diese milde Hyperthermie auch durch spezielle Überwärmungsbäder erreicht.)
Die Folgen der moderaten Hyperthermie sind: Weitstellung der Blutgefäße, Steigerung der Durchblutung (auch in den sonst schlechter versorgten Regionen), Entspannung der Muskeln, darüber hinaus entstehen antiallergische, antientzündliche, immunregulierende Effekte. Es gibt bereits Anhaltspunkte für eine Einflussnahme auf die Zytokine. Langjährige klinische Erfahrungen und Untersuchungen haben gezeigt, dass milde Hyperthermie (so wie im Gasteiner Heilstollen) bei den verschiedensten Grunderkrankungen immunmodulierend und immunstabilisierend wirkt. (laut Prof. K.-L. Schmidt 2004, Z.Phys.Med.Rehab.)

Auf dem Boden dieser moderaten Hyperthermie entwickelt (mehr als additiv) die Radon-Inhalation und –Bestrahlung ihren Effekt.

Beim radioaktiven Zerfall des Edelgases Radon, das in der Stollenluft im Mittel bei Konzentrationen von 44Bq/l enthalten ist und das über die Lunge und die Haut aufgenommen wird, wird Alphastrahlung frei. Aufgrund der gleichzeitigen Hyperthermie wird Radon schneller und effektiver als bei Neutraltemperatur im ganzen Körper verteilt.
Experimentell ist nachgewiesen:
Von Alphastrahlung getroffene Zellen gehen in den Zustand der so genannten Apoptose (natürliche körpereigene ‚Zell-Mauserung’, welche der Auslese und Zellerneuerung dient). Die apoptotischen Zellen geben einen heilungsfördernden Botenstoff, das Zytokin TGF-Beta, ab. TGF-Beta ist ein Gegenspieler zum entzündungs-fördernden Zytokins TNF-Alpha. Immunologisch aktive Zellen nehmen die Apoptose-Zellen auf, senden dabei wiederum TGF-Beta aus, wandern zu den Lymphknoten und transportieren so die ‚entzündungshemmende Botschaft’ weiter. Einen TGF-Beta Anstieg im Blut konnten wir inzwischen auch klinisch nach der Heilstollentherapie nachweisen.
Damit ist die Erklärung für die erfahrungsgemäß ausgesprochen gute Wirksamkeit der Heilstollentherapie bei vielen Erkrankungen mit chronischen Entzündungsvorgängen bzw. mit Störung des Immunsystems gegeben.
So liegt die besondere Indikation auch im vorliegenden Fall vor und ist für die Spondylitis ankylosans (als eine Form des Diagnosebereiches der Spondyloarthritiden) auch wissenschaftlich nachgewiesen.        
Eine Stabilisierung über den Zytokinstoffwechsel ist hier anzustreben und realistisch über die Gasteiner Heilstollentherapie zu erwarten.

Viele Patienten, die regelmäßig die Kur im Gasteiner Heilstollen durchführen, können seither fast komplett auf die Einnahme von NSAR verzichten.
Auch anhand kontrollierter Studien konnte wissenschaftlich nachgewiesen werden, dass der nach Radonstollentherapie der Verbrauch an NSAR - mit der langfristigen Schmerzlinderung- bis zu 1 Jahr nach Behandlung anhaltend sinkt. Damit ist von einer Risikominimierung bzgl. der möglichen UAW durch die Schmerzmedikation auszugehen.
Die dafür notwendige Strahlenbelastung liegt bei 12 Einfahrten in den Gasteiner Heilstollen bei 1,8 mSv und somit unterhalb der durchschnittlichen jährlichen effektiven Strahlendosis durch natürliche Quellen, die etwa 2,4 mSv beträgt.

Um die Medikamenteinsparung weiter zu ermöglichen und die Lebensqualität der Patienten zu erhalten, ist es wichtig und medizinisch indiziert, dass die Heilstollentherapie in jährlichen Abständen absolviert wird.

Prim. Univ. Doz. Dr. med. Bertram Hölzl
Ärztlicher Leiter