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Therapie bei Morbus Bechterew – Fragen und Fakten

  • Krankheitsgruppe: Rheumatische Erkrankungen
  • Fachbegriff: Spondylitis ankylosans
  • Betroffene: Erste Symptome zwischen 15. und 30. Lebensjahr, Männer und Frauen gleichermaßen betroffen
  • Häufigkeit: 150.000 diagnostizierte Fälle, hohe Dunkelziffer (ca. 1,6 Millionen)
  • Heilungschancen: Gering
  • Lebenserwartung: Wie gesunde Menschen
  • Medikamentöse Therapie bei Morbus Bechterew: NSAR (Nichtsteroidale Anti-Rheumatika) wie Ibuprofen, Diclonfenac, Biologika wie Humira, Simponi
  • Alternative Therapie bei Morbus Bechterew: Radontherapie (Heilstollen-Therapie), gesamtes Spektrum der Naturheilkunde
  • Wichtigste Regel: Bewegung, Bewegung und nochmals Bewegung

 

Die Symptome des Morbus Bechterews

Morbus Bechterew gehört zu den entzündlichen Rheuma-Erkrankungen. Oft bestimmen Rückenschmerzen den Alltag der Betroffenen. Dabei sind Schmerzen in der Lendenwirbelsäule, die oft in der Nacht und am Morgen auftreten und manchmal bis in die Beine ausstrahlen, erstes Anzeichen und Leitsymptom des Morbus Bechterews zugleich. Oftmals sprechen auch morgendliche Steifheit in den Gliedern sowie Schmerzen in Ruhephasen für die Erkrankung. Manchmal klagen Patienten bei Erschütterungen der Wirbelsäule beispielsweise durch Niesen oder Husten über Schmerzen. Zu den weiteren Symptomen des Morbus Bechterews zählen Gelenksbeschwerden, rote, schmerzende Augen, Lichtempfindlichkeit oder Verdauungsprobleme.

Vor der Therapie bei Morbus Bechterew erfolgt eine Untersuchung

Die Symptome des Morbus Bechterew sind vielseitig, ambehmende Beweglichkeit ist ein Leitsymptom

Im fortgeschrittenen Stadium der Rheuma-Erkrankung erschweren chronische Erschöpfungszustände und eine langsam fortschreitende Versteifung der Wirbelsäule das Leben der Patienten. Zu der gefürchtetsten Spätfolge des Morbus Bechterews zählt eine deformierte Wirbelsäule. Im Lendenwirbelbereich flacht die Wirbelsäule ab und im Brustwirbelbereich bildet sich ein Buckel. Da sich viele Menschen mit Morbus Bechterew langfristig einer Therapie mit Medikamenten unterziehen, treten oft weitere gesundheitliche Probleme infolge von Nebenwirkungen auf. Zu den Symptomen gehören Übelkeit, Atmungsstörungen, Depressionen, Magen- und Nierenprobleme sowie Leberschädigungen.

Wissenschaftlicher Leiter des Gasteiner Heilstollen: Prim. Univ. Doz. Dr. med. Bertram Hölzl

Prim. Univ. Doz. Dr. med. Bertram Hölzl

Interview zur Therapie bei Morbus Bechterew

Prim. Univ. Doz. Dr. med. Bertram Hölzl ist Internist und wissenschaftlicher Leiter des Gasteiner Heilstollen. Seit 2009 hat er diese Position neben seiner Tätigkeit als ärztlicher Direktor und Vorstand der Abteilung für Innere Medizin an der Landesklinik St. Veit inne. Unter seiner ärztlichen Leitung bildet der Gasteiner Heilstollen zusammen mit der Landesklinik St. Veit im Pongau einen rheumatologischen Schwerpunkt. Er entwickelt auch klinische Therapiekonzepte zu Rheuma-Kuren. Im Interview beantwortet er die wichtigsten Fragen:

Herr Dr. Hölzl, können Sie uns kurz erklären, welche Ursachen Morbus Bechterew hat?

„Trotz aller Fortschritte der Medizin ist die Ursache noch unbekannt. Man vermutet heute, dass der Erkrankung eine Fehlfunktion des Immunsystems zugrunde liegt. So wehrt das Immunsystem von Morbus Bechterew-Patienten nicht nur Krankheitserreger ab, sondern richtet sich auch gegen eigene Körperzellen. Körpereigene Abwehrzellen wandern ins Gewebe und lösen dort entzündliche Reaktion vornehmlich in den kleinen Wirbelgelenken des Rückens aus. Diese Immunstörung scheint sich dann zu entwickeln, wenn eine Infektion mit einer erblichen Veranlagung zusammentrift – so wird es derzeit in Fachkreisen diskutiert. Ebenfalls noch nicht abschließend geklärt ist, ob auch körperliche Belastungen und seelische Einflüsse den Ausbruch von Morbus Bechterew begünstigen.“

Wie genau wird die Erkrankung diagnostiziert?

„Im Gegensatz zu anderen rheumatischen Erkrankungen lassen sich bei Morbus Bechterew Rheumafaktoren im Blut nicht nachweisen. Bestimmte Erbfaktoren können über eine Blutanalyse festgestellt werden (HLA B27). Entzündungen, die mit dem Morbus Bechterew einhergehen, machen Rheumatologen im MRT sichtbar. Die chronischen Entzündungen in den Wirbelgelenken führen nach und nach zu einer knöchernen Versteifung. Diese Wirbelsäulenverformungen lassen sich im späteren Verlauf des Morbus Bechterews im Röntgenbild darstellen.“

Und dann? Kann man die Bechterewsche Erkrankung heilen?

„Nein. Da die Entstehungsmechanismen von Morbus Bechterew unbekannt sind, gibt es heute keine Chancen auf Heilung. Jedoch gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten der Therapie bei Morbus Bechterew, die den Verlauf positiv beeinflussen und Symptome reduzieren.“

Welches sind die gängigsten Therapien bei Morbus Bechterew?

„Am Anfang jeder Behandlung sollte die Linderung der Symptome des Morbus Bechterews stehen. Diese verbessert nicht nur die Lebensqualität der Patienten, sondern macht krankengymnastische Maßnahmen oft überhaupt erst wieder möglich. Diese Maßnahmen wirken wiederum der Wirbelsäulenversteifung entgegen. Auch entzündungshemmende Medikamente bei Morbus Bechterew sind wichtig. Zeigen diese keine ausreichende Wirkung, kommen wie bei anderen rheumatischen Erkrankungen sogenannte Biologika zum Einsatz. Die Schmerzlinderung erfolgt in der Regel mit Medikamenten oder auch durch alternative Morbus Bechterew Therapien wie die Radontherapie.“

Mediakmente bei der Therapie bei Morbus Bechterew

Eine Alternative zu vielen Medikamenten ist die Radontherapie im Gasteiner Heilstollen

Viele Leser werden sich jetzt fragen, ob eine effektive Therapie ohne Medikamente überhaupt möglich ist. Was sagen Sie denen?

„Ja, das ist möglich. Allerdings können auch alternative Behandlungen die Erkrankung nicht heilen. Aber sie können sie zumindest günstig beeinflussen und Schmerzen nebenwirkungsarm minimieren. Zu den effektiven Morbus-Bechterew-Therapien zählt eine Kur oder Reha-Behandlung in einem warmen Radonstollen.“

Radonstollen? Was genau ist das?

„Bei der Radontherapie nehmen Patienten in einem Heilstollen das natürlich vorkommende Edelgas Radon über Haut und Lunge auf. Es setzt im Körper milde Alphastrahlen frei, die Zellreparaturmechanismen anregen und die Aktivität von Entzündungszellen sowie Schmerzbotenstoffen verringern. Am effektivsten wirkt Radon in Kombination mit Wärme. Diese Behandlung nennt man Radonwärmetherapie. Für Morbus Bechterew wird eine 3- bis 4-wöchige Kur mit 10 bis 12 Einfahrten in den warmen Bergstollen empfohlen.“

Und diese Therapie hilft wirklich?

„Ja. Die Therapie hat Erfolgsquoten zwischen 80 und 90 Prozent und ist nebenwirkungsarm. Morbus Bechterew Patienten berichten nach einer Radontherapie von einer Verringerung der Schmerzen, besserer Beweglichkeit und der Reduzierung von Medikamenten. Die mit dieser Morbus-Bechterew-Therapie erreichte Schmerzlinderung verbessert aber nicht nur die Lebensqualität der Patienten. Viele Patienten mit Morbus Bechterew, die regelmäßig eine Radontherapie durchführen, können auch leichter bewegungserhaltende Übungen durchführen.“

Viele wissenschaftliche Belege für die Therapie bei Morbus Bechterew

Viele Studien belegen die Wirksamkeit der Therapie bei Morbus Bechterew

Was sagt die Wissenschaft zur Radontherapie?

„Die Radontherapie bei Morbus Bechterew ist wissenschaftlich anerkannt. Sie führt bei Morbus Bechterew Patienten zu einer langanhaltenden Schmerzlinderung. Manchmal tritt die Wirkung erst einige Wochen nach der Kur auf  und hält dann mehrere Monate an. In der Folge müssen Patienten deutlich weniger bis gar keine Medikamente einnehmen – eine weitere wichtige Wirkung der Radontherapie bei Morbus Bechterew. Vor allem für Patienten, die nichtsteroidale Antirheumatika zu sich nehmen, hat die Radonwärmetherapie einen hohen Stellenwert. Viele Studien belegen diese Erfolge.“

Vielen Dank, für das Gespräch Herr Dr. Hölzl. Haben Sie zum Abschluss vielleicht noch einen Tipp für Betroffene?

„Morbus Bechterew ist eine Erkrankung, bei der Betroffene selbst mitarbeiten und Verantwortung für die Therapie übernehmen müssen. Eine Kur oder Reha kann Patienten dabei gut helfen, denn oft stehen in den Kureinrichtungen gut ausgebildete Physiotherapeuten und eine große Vielfalt an medizinischen Behandlungen zur Verfügung. Sie geben wichtige Tipps zur Selbsthilfe. Bei Morbus Bechterew helfen Bewegungstherapien wie therapeutisches Nordic Walking, Rücken Fit-Gruppen, krankengymnastische Maßnahmen oder auch Osteopathie. Sie helfen, wichtige Muskelgruppen durch Dehnung und Kräftigung zu stärken und so die Wirbelsäule zu entlasten. Auch Patientenschulungen haben einen wichtigen Stellenwert in der Therapie des Morbus Bechterews. Alles zusammen hilft dem Patienten, Übungen zu Hause allein fortzuführen.“

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