Gasteiner Heilstollen
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Jedes Jahr im Winter wird der Gasteiner Heilstollen einer Frischekur unterzogen. Dann tauschen die Mitarbeiter des Bergbau-Teams die Arbeitshose gegen die Badehose, verlegen neue Gleise und sichern den Stollen für einen reibungslosen Kurbetrieb im nächsten Jahr ab.

Gäste des Gasteiner Heilstollens, die schon einmal eine Kur gemacht haben, wissen: Allein der liegende Aufenthalt auf einer Therapiestation ist körperlich anstrengend. In dem tropischen Klima mit Temperaturen bis 40 Grad und einer Luftfeuchtigkeit von bis zu 100 Prozent schwere körperliche Arbeit zu leisten, ist umso schweißtreibender. Jedes Jahr ab November stellen sich die Mitarbeiter der technischen Abteilung aber genau dieser Herausforderung, damit der Stollenbetrieb im nächsten Jahr genauso sicher und zuverlässig funktioniert. Dann steht der Kurbetrieb im Gesundheitszentrum still, die Pforten des Heilstollens sind bis Mitte Januar geschlossen. Die Bergmänner führen in dieser Schließungszeit intensiven Service- und Revisionsarbeiten durch – in Badehose. Die im Stollen installierte mechanische Bewetterung hilft, die natürliche Feuchtigkeit und den Radongehalt an den verschiedenen Arbeitsplätzen für die jeweilige Aufenthaltszeit deutlich herabzusetzen.

 

Neue Gleise und Absicherungsarbeiten

Besonders umfangreich fällt beispielsweise die jährliche bergmännische Gesteinsabsicherung in den diversen Stollenabschnitten des Therapiebereichs aus. Das Gesteinsmassiv ist hier zwar seit über 60 Jahren in Ruhe und im Gleichgewicht, doch minimale Bewegungen über das Jahr erfordern dennoch regelmäßig ein händisches Ablauten und Beräumen aller Felsoberflächen in den Stollengängen. Dies bedeutet, dass alle Auflockerungen im Gestein gesucht, gelöst und sorgfältig entfernt werden. Das dabei anfallende Lockermaterial muss danach mit einem Arbeitszug aus dem Stollen befördert werden. Außerdem müssen Hohlräume des Grubengebäudes offengehalten werden, damit unsere Patienten sicher einfahren können. Dazu setzen die Bergmänner neue Anker und sichern so den Stollen ab. So werden lange Stangen in das Gestein eingebracht und mit einem Ankerfuß im Gestein verankert. Beim Ankerbohren kommt schweres Gerät zum Einsatz – eine anstrengende Angelegenheit.

Die jährliche Schließungszeit wird auch genutzt, um Arbeiten am langen unterirdischen Gleisnetz durchzuführen. Hierbei bilden Austausch und Neuverlegung von Gleisabschnitten, Reparaturen am Gleisbett, Service an Schienenlaufflächen oder Weichen sowie die Maschinenwartung der Loks und Waggons die wichtigsten Eckpunkte der jährlichen Revision.

 

Loks werden überprüft

Im Winter werden ebenso wichtige Arbeiten an den diversen Schienenfahrzeugen, den E-Loks und Waggons, durchgeführt. Elektromotoren, Hydraulikanlagen sowie Bremsen, Gestänge und Pneumatik wollen überprüft werden. Zudem steckt in jeder Lok viel Herzblut. Der Lokbau wird von unserem Team nämlich zum Teil selbst gemacht, denn es gibt heute keine Firmen mehr, die Elektroloks in unserer Größenordnung, also mit Spurkranzweite von 600 Millimetern herstellen. Sogar die Fertigung neuer Waggonräder erfolgt eigenhändig durch die Techniker des Heilstollens. Auch unsere vier akkubetriebenen Loks werden während der Schließungszeit einem gründlichen Check unterzogen. Schließlich sollen sie auch in der kommenden Saison wieder viele tausend Patienten sicher in den Stollen bringen.

 

Reinigung mit Hochdruck

In den letzten Tagen vor der Betriebsöffnung erfolgt dann schließlich noch eine sorgfältige Hochdruckreinigung aller Stollenbereiche. Von den Therapiestationen bis zu den Bahnsteigen und dem Rettungsraum werden alle unterirdischen Strecken des Einfahrtsbereiches gründlich mit Spritzwasser gereinigt. So wird unter anderem ein Herabrieseln von feinen Mineralteilchen vermieden. Das ist für die Arbeiter meist eine willkommene Abkühlung im heißen Kern des Berges und zeigt gleichzeitig auch immer das herannahende Ende der Schließungszeit. Denn ab Mitte Januar steht das gut gepflegte Herz des Radhausberges aufs Neue unseren Patienten offen, die sich auf der Suche nach Linderung ihrer Beschwerden wieder sicher in sein natürliches Heilklima begeben können.

 

Wissenswertes über die Technik

  • Im Gasteiner Heilstollen sind mehr als 2,5 Kilometer Bahnschienen verbaut. Bis zum Therapiebereich sind es unglaubliche 1.860 m. Hinzu kommt eine 600 Meter lange Schleife, damit die fünf Therapiestationen angefahren werden können.
  • E-Lok-Flotte: 4 Loks, 14 Sitzwaggons, 2 Notwaggone und 5 Liegewagen-Waggons bringen unsere Patienten jeden Tag sicher in den Stollen.
  • Echte Bergmänner: 11 technische Mitarbeiter kümmern sich um den Zugbetrieb. Einige davon sind Gesellen des Bergbaus, sogenannte Hauer, andere sogar Steiger, also Bergbaumeister.
  • Jedes Jahr werden etwa 200 Meter der Gleisanlage des Gasteiner Heilstollens erneuert.
  • Knapp 1000 Zugeinfahrten gibt es jedes Jahr in den Gasteiner Heilstollen.

 

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