Gasteiner Heilstollen
Winter: 8 Tipps für Rheumatiker
09.12.2020
Zeige alle

Neues aus der Wissenschaft

Studien
Im Gasteiner Heilstollen unternehmen wir intensive Anstrengungen, um bewährte und neue Anwendungsmöglichkeiten für das Gesundheitsangebot wissenschaftlich fundiert zu überprüfen. Der Gasteiner Heilstollen ist ein wichtiger Bestandteil der Kurortmedizin des Gasteinertals in Österreich. PatientInnen berichten über positive Auswirkungen in einer Vielzahl von Bereichen, einschließlich Symptomen, Verringerung der Medikamente sowie Verbesserung der körperlichen Funktionsfähigkeit und Lebensqualität.

 

Gasteiner Heilstollen

Es gibt bereits eine Vielzahl an Studien, die die Wirksamkeit der Therapien im Gasteiner Heilstollen bei vielen Krankheitsbildern belegen. Diese haben wir in diesem Artikel vorgestellt. Welche wissenschaftlichen Neuigkeiten es aktuell aus dem Heilstollen gibt, haben wir nachfolgend zusammengefasst:


Rheumatologische Fachkreise: Die Rehabilitation im Allgemeinen und die Heilstollentherapie im Speziellen haben wichtigen Stellenwert bei Morbus Bechterew

Was denken die Mitglieder rheumatologischer Fachkreise über die Rehabilitation und die Heilstollentherapie bei Morbus Bechterew? Diesen Fragen gingen Wissenschaftler in zwei Untersuchungen nach. Sie befragten die Mitglieder der wichtigsten Fachkreise aus der Rheumatologie: aus dem Arbeitskreis (AK) für Rheumatologie und der Österreichischen Gesellschaft für Rheumatologie (ÖGR) zu diesen Themen. Die Ergebnisse der Befragung zeigen, dass sich beide Fachgruppen einig darüber sind, dass der Nutzen von Rehabilitationsmaßnahmen bei der Behandlung von Morbus Bechterew PatientInnen hoch ist und die verschiedenen, nichtmedikamentösen Maßnahmen wichtig sind. Den größten Effekt sprechen die Experten dabei folgenden Rehabilitationsmaßnahmen zu:

  • Bewegungstherapie
  • Gelenkschutzberatung und Rückenschule
  • Schulung über die Krankheit
  • Psychologische Unterstützung im Umgang mit der Erkrankung
  • Optimierung der medikamentösen Schmerztherapie
  • Versorgung mit Hilfsmitteln

Rehabilitationsmaßnahmen

Außerdem attestieren beide Gruppen der Heilstollentherapie im Gasteinertal bei Morbus Bechterew einen hohen Nutzen. Bemerkenswert ist, dass seit einigen Jahren erfolgreiche neue medikamentöse Therapiemöglichkeiten für Morbus Bechterew zur Verfügung stehen, die Wichtigkeit der Heilstollentherapie aber weiterhin erheblich ist. Die Mitglieder der rheumatischen Fachkreise erwarten von einer Heilstollen-Kur vor allem eine Reduktion der Schmerzen und eine Verbesserung des Allgemeinzustands sowie des psychischen Befindens der PatientInnen. Beide Experten-Gruppen gehen mehrheitlich von einer Wirkdauer von 9 Monaten der Heilstollenkur aus. Dies steht auch im Einklang mit Berichten der Mehrzahl an Bechterew-PatientInnen mit regelmäßiger Radontherapie. Sie verbinden mit der Therapie langanhaltende positive Effekte, wie Verbesserungen der Lebensqualität und Einsparungen von Medikamenten.

 

Studien:

  • Mur E, Oppenauer C, Nell-Duxneuner V, Eberherr K, Falkenbach A, Kullich W. Umfrage zur Bedeutung der medizinischen Rehabilitation bei Morbus Bechterew. J Miner Stoffwechs Muskuloskelet Erkrank 2020;27:142
  • Oppenauer C, Nell-Duxneuner V, Kullich W, Mur E. Stellenwert der Heilstollentherapie im Gasteinertal in der Behandlung von Morbus Bechterew. J Miner Stoffwechs Muskuloskelet Erkrank 2020;27:143

Patienten gefragt: Welche Therapie hat den höchsten Nutzen und die geringsten Nebenwirkungen?

333 PatientInnen, die seit vielen Jahren an Morbus Bechterew mit Wirbelsäulenschmerzen leiden, wurden nach den Wirkungen der verschiedenen Therapien befragt. Die meisten Patienten (60,4%) kamen einmal im Jahr zur Kur in den Gasteiner Heilstollen, einige nicht regelmäßig (3,0%), manche mehrmals im Jahr (7,5%) oder alle 2 Jahre (25,5%). Sie sollten beantworten, welchen Nutzen bzw. Schaden verschiedene Behandlungen hervorrufen. Den höchsten Nutzen bei geringsten Nebenwirkungen sprachen die PatientInnen den Heilstollensitzungen mit Rehamaßnahmen zu und den zweithöchsten Heilstollensitzungen ohne Reha. Diese Therapieoptionen haben den PatientInnen nach ein ausgezeichnetes Nutzen-Risiko-Verhältnis. Bei den Medikamenten wurde der Nutzen von Biologika als hoch bei moderaten Nebenwirkungen eingeschätzt. Die anderen Medikamente (DMARDs wie Methotrexat, Cortison, Nichtsteriodalen Antirheumatika wie Ibuprofen) wurden fast gleichermaßen vorteilhaft wie schädlich eingestuft.

Patientenbefragung

 

Zudem ergaben die Befragungen, dass PatientInnen auch Therapien wie Gruppentraining, körperliche Übungen, Schwimmen, Radfahren, andere Sportarten, Stretching, Krafttraining, Physiotherapie, Osteopathie sowie Wärmetherapien (z. B. Sauna), Radonbäder, Lymphdrainagen und Massagen in den meisten Fällen als äußerst vorteilhaft mit minimalem Schadenspotential einstufen. Diese Ergebnisse weisen ein sehr gutes Nutzen-Risiko-Verhältnis auf. Sie haben einen erheblichen Wert für die Krankheitskontrolle und Funktionsfähigkeit des Morbus Bechterews für diese PatientInnen.

 

Studien:
  • Offenbächer M, Hirsch J, Sirois F, van der Zee-Neuen A, Scharmga A, Lunzer R, Untner H, Kohls N, Hölzl B, Gaisberger M, Toussaint LL. The perceived benefit and harm of mild radon hyperthermia, rehabilitation and medications from the point of view of a large cohort of patients with ankylosing spondylitis (AS) attending the Gastein Healing Gallery. J Miner Stoffwechs Muskuloskelet Erkrank 2020;27:145
  • Offenbächer M, Hirsch J, Sirois F, van der Zee-Neuen A, Scharmga A, Lunzer R, Untner H, Kohls N, Hölzl B, Gaisberger M, Toussaint LL. The perceived benefit and harm of active exercise, physical therapy and modalities of a large cohort of patients with ankylosing spondylitis (AS) attending the Gastein Healing Gallery. J Miner Stoffwechs Muskuloskelet Erkrank 2020;27:142

Schützen Dankbarkeit, Selbstmitgefühl und Selbstvergebung vor Depressionen und indirekt auch vor Schmerzen bei Menschen mit rheumatischen und muskuloskelettalen Erkrankungen?

Chronische Schmerzen betreffen fast 20% der Österreicher, von diesen haben 25% so starke Schmerzen, dass ihre Lebensqualität deutlich eingeschränkt ist. Ca. ein Fünftel der PatientInnen mit chronischen Schmerzstörungen berichtet auch von Depressionen, die wiederum zu mehr Schmerzen führen können. Doch leiden PatientInnen, die positive psychologische Eigenschaften wie z.B. Dankbarkeit, Selbstmitgefühl und Selbstvergebung im Alltag praktizieren, auch an weniger depressiven Symptomen? Wir befragten stichprobenartig PatientInnen aus dem Gasteiner Heilstollen, die unter Morbus Bechterew, Arthrose und Fibromyalgie leiden. Die Umfrage ergab, dass Dankbarkeit, Selbstmitgefühl und Selbstvergebung mit weniger depressiven Symptomen bei dieser PatientInnengruppe einhergehen und die PatientInnen indirekt auch unter weniger Schmerzen leiden. Diese positiven psychologischen Eigenschaften haben scheinbar einen selbst-beruhigende Effekt und helfen negative Krankheitserfahrungen, die häufig zu selbstkritischen Gedanken und emotionalen Stress führen, zu besänftigen. Mit therapeutischen Ansätzen, die diese positiven psychologischen Eigenschaften fördern, kann es also gelingen, die psychische Gesundheit und die Schwere der Schmerzen bei PatientInnen mit rheumatischen und muskuloskelettalen Erkrankungen zu verbessern.

 

Studie:
  • Altier H, Offenbächer M, van der Zee-Neuen A, Toussaint LL, Kohls N, Hanshans C, Sirois F, Untner J, Hölzl B, Gaisberger M, Hirsch JK. Depression and Pain in Patients with Rheumatic and Musculoskeletal Disease: Are Positive Psychological Characteristics Protective? J Miner Stoffwechs Muskuloskelet Erkrank 2020;27:145

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.