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Studien sprechen für „Viren-Feindlichkeit“ des Heilstollenklimas

Forschungslage der Radontherapie

Bei rheumatischen Erkrankungen ist die Forschungslage zur Radontherapie sehr gut

Mit dem Corona-Virus (COVID-19) haben sich bereits viele Millionen Menschen weltweit infiziert. Absehbar ist ein Ende der Corona-Pandemie derzeit nicht. Klar ist auch, das Virus wird uns noch viele Monate und vielleicht auch einige Jahre begleiten. Damit bleibt auch die Angst vieler Menschen, sich mit dem Virus anzustecken. Dem entgegen steht der Wunsch nach einem normalen Leben, nach sozialen Kontakten, nach Reisen oder – wie bei vielen unserer Patienten – nach effektiven Gesundheitsangeboten. Etwa 12.000 Patienten kommen jedes Jahr in den Gasteiner Heilstollen, um ihre entzündlich-rheumatischen und degenerativen Erkrankungen oder chronische Schmerzen zu lindern. Doch wie hoch ist eigentlich die Gefahr sich im Heilstollen mit dem Corona-Virus anzustecken? Die gute Nachricht: Die derzeitige Studienlage zeigt, dass die klimatischen und physikalischen Verhältnisse im Gasteiner Heilstollen virenfeindlich sind. Die Ansteckungswahrscheinlichkeit ist im Gasteiner Heilstollen in keinem Fäll erhöht, sondern vermutlich sogar deutlich geringer als in anderen Situationen.

Festzuhalten ist: Über das Corona-Virus ist noch relativ wenig bekannt, aber die wissenschaftlichen Erkenntnisse werden täglich mehr. Darüber hinaus lassen sich Rückschlüsse von verwandten Viren wie SARS, MERS oder Influenza-Viren, über die es eine gute Datenlage gibt, auf das Corona-Virus übertragen.

 

Alle wichtigen Punkte in der Übersicht:

  • Wärme und hohe Luftfeuchtigkeit minimieren die Übertragungsrate von Viren
  • die Schutzhülle des Corona-Virus bricht bei höheren Temperaturen leichter
  • eine hohe Luftfeuchtigkeit „entschärft“ Tröpfchen, die beim Niesen, Husten oder Sprechen entstehen
  • das Heilklima im Gasteiner Heilstollen ist förderlich für die lokale Abwehrfunktion der Schleimhäute und für die Arbeit des gesamten Immunsystems
  • darüber hinaus mehren sich Hinweise, dass auch der Hyperthermie-Effekt, das Radon selbst, die alpine Höhenlage sowie die geringe Schadstoffbelastung im Gasteinertal positive Auswirkungen auf die Gesundheit haben

Einfluss von Temperatur & Luftfeuchtigkeit

Das Klima im Gasteiner Heilstollen ist feucht und warm: Von 37 Grad bei 75 Prozent Luftfeuchtigkeit auf Station 1 bis zu 41 Grad bei fast 100 Prozent Luftfeuchtigkeit auf Station 4. Diese klimatischen Verhältnisse haben einen negativen Einfluss auf die Übertragungs- und Infektionsrate von Viren. Dies wurde in wissenschaftlichen Studien untersucht und nachgewiesen.

Kürzlich publizierte Studien zeigen, dass die Übertragungsrate stark von Temperatur und Luftfeuchtigkeit abhängt. So senkt bereits eine Erhöhung der Lufttemperatur um 1 Grad und 1 % mehr Luftfeuchtigkeit die effektive Reproduktionsrate R von SARS-CoV-2. Eine mögliche Erklärung ist, dass viele Viren bei kalten Temperaturen stabiler sind und die Tröpfchen, die das Virus enthalten, bei trockener Kälte länger in der Luft bleiben. Darüber hinaus scheint das Corona-Virus bei steigender Temperatur und Luftfeuchtigkeit drastisch an Überlebensfähigkeit zu verlieren. Die Schutzhülle des Corona-Virus bricht leicht bei höheren Temperaturen auf und eine höhere Luftfeuchtigkeit vermindert die Übertragungsrate von Mensch zu Mensch, beispielsweise weil größere Tröpfchen auf Grund der Schwerkraft schneller zu Boden sinken.

Kur im Stollen

Radon, Wärme und hohe Luftfeuchtigkeit sind die Wirkfaktoren im Heilstollen

Des Weiteren führt kalte, trockene Luft zu einer Schwächung des Immunsystems und macht dadurch den Organismus anfälliger für eine Infektion. Die feuchte Wärme im Gasteiner Heilstollen wiederum sorgt für eine bessere Durchblutung und Befeuchtung der Schleimhäute und bessere Abwehrfunktion bei Atemwegserkrankungen.

Hohe Temperaturen und Luftfeuchtigkeiten im Gasteiner Heilstollen führen zu einer Erhöhung der Kernkörpertemperatur bis zu 39°, was einem therapeutischen Fieber entspricht. Fieber entwickelt der Körper auch bei viralen oder bakteriellen Infektionen, um die Effektivität des Immunsystems zur Bekämpfung der Infektion zu erhöhen. Es gibt Hinweise, dass auch durch das therapeutische Fieber Erreger schneller attackiert werden.


Einfluss von Viren in der Luft

Das Corona-Virus wird durch Tröpfchen oder Aerosole von infizierten Personen übertragen. Dabei gilt: Je kleiner die Tröpfchen, desto länger bleiben sie in der Luft, ehe sie zu Boden sinken. Luftverwirbelungen und klimatische Verhältnisse beeinflussen die Fallgeschwindigkeit.

Unterschiedliche menschliche Aktivitäten produzieren mehr oder weniger Tröpfchen:

  • Niesen produziert ca. 40.000 Partikel
  • Husten produziert ca. 710 Partikel
  • beim Sprechen werden ca. 36 Partikel pro 100 Worte ausgestoßen
  • bei lautem Sprechen bzw. Singen erhöht sich die Anzahl der Tröpfchen

Im Gasteiner Heilstollen steigt die Luftfeuchtigkeit bis auf fast 100 Prozent an, und es ist zu vermuten, dass Partikel beispielsweise nach dem Niesen, Husten oder Sprechen rasch auf Wasserdampf in der Luft treffen, dadurch vermutlich an Größe gewinnen und aus physikalischen Gründen schneller zu Boden fallen.

Patienten mit Husten und Schnupfen und/oder Fieber dürfen nicht in den Heilstollen einfahren. Außerdem gilt im Heilstollen ein Ruhegebot (Nicht-Sprechen) ab der Einfahrt in den Heilstollen und auch im Therapiebereich. Dies wird von den Patienten in der Regel eingehalten.


Einfluss des Radons

Radon, das im Gasteiner Heilstollen natürlich aus dem Gestein austritt, hat ersten Studien nach möglicherweise einen inaktivierenden Effekt auf Viren. Zudem löst Radon im Körper Prozesse aus, die vermutlich eine Immunantwort auf ein Virus unterstützen.

So wirkt Radon als natürliches SchmerzmittelAuf Grund der immunmodulierenden Eigenschaften der Heilstollentherapie können viele Patienten nach einer Kur immunmodulierenden Medikamente reduzieren oder gar absetzen. Somit könnte die Heilstollenkur das Risiko für einen schweren Verlauf einer COVID-19-Infektion möglicherweise sogar reduzieren.

Mehr Informationen darüber wie die Heilstollentherapie beispielsweise Rheumatikern hilft, Biologika zu reduzieren finden Sie im Artikel Wie Rheuma-Patienten Biologika reduzieren können


Hinweise

Der Übertragungs- und Infektionsmechanismus von Viren allgemein und von Corona-Viren ist komplex und noch nicht in allen Aspekten ausreichend erforscht. Es gibt jedoch bereits viele Befunde und Hinweise, die zeigen, dass eine Ansteckung im Gasteiner Heilstollen auf Grund der bestehenden klimatischen und physikalischen Bedingungen deutlich reduziert ist. In jeglicher Lebenssituation besteht eine Restgefahr, doch es darf nicht vergessen werden, dass die Wirkfaktoren der Heilstollentherapie bei wiederholten therapeutischen Einfahrten, positive gesundheitliche Effekte, u.a. auf das Immunsystem, haben.

Unserem Wissen nach gab es in der 68-jährigen Geschichte des GHST mit therapeutischen Einfahrten nie ein größeres Problem mit einer erhöhten Ansteckungsgefährdung, hohen Infektionsraten bzw. einer Epidemie, auch nicht in Zeiten, die durch eine Grippeviren-Welle gekennzeichnet waren.

Welche Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen wir im Gasteiner Heilstollen zusätzlich ergriffen haben, können sie im Artikel Corona-Sicherheits- und Hygiene-Konzept – Gasteiner Heilstollen

Corona-Regeln Gasteiner Heilstollen

Im Eingangsbereich gibt es eine Sicherheitsschleuse mit Abstandsmarkierungen


Bei Fragen immer für Sie da

Haben Sie medizinische Fragen zum Heilstollen & Corona? Gerne beantwortet unser Ärztlicher Leiter Dr. Martin Offenbächer MPH Ihre Anliegen. Bitte melden Sie sich im Haus bei der Medizinischen Aufnahme, telefonisch unter 0043 (0)6434 3753-0 oder per E-Mail unter .


Quellen

Die Informationen aus diesem Beitrag stammen aus dem Artikel „Der Gasteiner Heilstollen und eine mögliche Ansteckungsgefahr im Therapiebereich mit Viren“, Offenbächer et al (2020), der zuerst in der Zeitschrift Journal rheuma plus, 1-6 erschienen ist.

 

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