Was ist Morbus Bechterew?

  • Das Krankheitsbild Morbus Bechterew, auch bekannt als Spondylitis ankylosans, ist eine chronisch-entzündliche rheumatische Erkrankung, die in erster Linie die kleinen Gelenke der Wirbelsäule betrifft.
  • Dort lösen Immunprozesse Entzündungen aus, die in der Folge zu einer Verformung und Versteifung des Rückens führen. Diese Autoimmunerkrankung gehört zur Gruppe der sogenannten Spondyloarthritiden.
  • Die genaue Ursache von Morbus Bechterew ist noch nicht vollständig geklärt, aber es wird angenommen, dass sowohl genetische Faktoren, wie das Protein HLA B27, als auch Umweltfaktoren eine Rolle bei der Entstehung spielen.

Morbus Bechterew Symptome sind vielfältig. Meist beginnt es mit Rückenschmerzen und/oder Schmerzen in Hüftbereich. Das Hauptsymptom ist die Verformung und Versteifung des Rückens.Schmerzen Lendenwirbelsäule
Zu Beginn der Erkrankung sind die Symptome vielfältig, wobei nicht alle auftreten müssen:

  • nächtliche Schmerzen, vor allem im Lendenwirbelbereich
  • morgendliche Steifigkeit des Rückens, die sich bei Bewegung bessert
  • Schmerzen bei Erschütterungen wie beim Husten und Niesen
  • erhöhte Müdigkeit
  • Beschwerden im Becken, an Hüften, der Ferse, im Brustbein, im Kniegelenk und an der Achillessehne
  • Schmerzen, die bis ins Gesäß ausstrahlen
  • Schmerzen, die sich durch die Einnahme von nicht steroidalen Antirheumatika, kurz NSAR, wie Ibuprofen, Acetylsalicylsäure, Diclofenac oder Naproxen bessern
  • Verdauungsbeschwerden
  • Augenentzündungen oder gerötete Augen (insbesondere Regenbogenhautentzündungen)

Obwohl es lange Zeit als „Männerkrankheit“ galt, tritt Morbus Bechterew bei Frauen im gleichen Maße auf.

Bei den meisten Patienten beginnt Morbus Bechterew schon im jungen Alter. Erste Symptome wie Rückenschmerzen und Morgensteifigkeit treten meist zwischen dem 15. und 40. Lebensjahr auf, werden aber oft noch nicht dem Morbus Bechterew zugeordnet. In der Regel vergehen fünf bis zehn Jahre bevor die Erkrankung erkannt wird.

In Mitteleuropa sind ca. 0,5% der Bevölkerung betroffen. In Österreich liegt die Zahl der Bechterew-Patienten bei ca. 70.000, in Deutschland bei ca. 350.000. Da die Krankheit oft zu spät oder gar nicht entdeckt wird, liegt die Dunkelziffer der Betroffenen viel höher.

Spondylitis ankylosans ist eine chronische Erkrankung, die mit zuweilen schweren Krankheitsschüben einhergeht. Sie wird in die Gruppe der entzündlichen Rheumaerkrankungen eingeordnet Das bedeutet, dass sich Phasen, in denen es den Morbus Bechterew-Patienten gut geht, mit Phasen, die starke Symptome und Schmerzen verursachen, abwechseln. Die Krankheit lässt sich aber recht gut behandeln, auch wenn sie nie ganz verschwindet. Im Endstadium kann sie allerdings bis zur Versteifung der Wirbelsäule führen.

Morbus Bechterew Selbsttest:

Möchten Sie Ihre Symptome zu Spondylitis Ankylosans einschätzen? Unsere Spezialisten für Morbus Bechterew haben einen Selbsttest erstellt, der Ihnen helfen kann, das Risiko einer solchen Erkrankung zu bewerten. Machen Sie gleich den Test:

  1. Haben oder hatten Sie wiederkehrende tiefsitzende Rückenschmerzen (und/oder Schmerzen in den Gesäßbacken beidseits) in Ruhe (z.B. nach längerem Sitzen am Arbeitsplatz oder während einer Autofahrt) und/oder leiden Sie an wiederkehrendem nächtlichen Rückenschmerz mit vorzeitigem Erwachen und Bewegungsdrang?
  2. Bessern sich diese Beschwerden bei Bewegung (zum Beispiel Umhergehen oder gezielter Mobilisation der Wirbelsäule) deutlich?
  3. Bestehen diese Beschwerden länger als 4 Wochen durchgehend?
  4. Bessern sich diese Beschwerden bei Einnahme von entzündungshemmenden Schmerzmedikamenten aus der Gruppe der sogenannten NSAR (wie zum Beispiel die Wirkstoffe Diclofenac, Ibuprofen, Naproxen und ähnliche)?
  5. Traten diese Beschwerden erstmalig vor dem 40. Lebensjahr auf?
  6. Bemerken Sie eine wiederkehrende Morgensteifigkeit der Wirbelsäule (auch trotz Umhergehen oder gezielter Mobilisation) von 30 Minuten oder länger?
  7. Haben Sie eine allgemeine oder zunehmende Versteifung der Wirbelsäule bemerkt (zum Beispiel Zurückbeugen des Kopfes in der Halswirbelsäule nicht mehr oder deutlich schlechter möglich, zunehmend fixierte Rundwölbung der Brustwirbelsäule bzw. reduziertes Aufrichtevermögen in der Brustwirbelsäule, großer Abstand der Fingerspitzen zum Boden beim maximal möglichen Vornüberbeugen des Körpers nach vorne unten)?
  8. Haben oder hatten Sie wiederkehrend einzelne geschwollene Gelenke oder wurstförmig geschwollene Finger oder Zehen?
  9. Hatten Sie jemals eine Psoriasis der Haut (entzündete Hautstellen mit schuppender Verkrustung, typischerweise an den Ellenbogen oder Kniescheiben, an den Streckseiten der Unterarme oder Unterschenkel, am Haaransatz, hinter den Ohren oder in der Analfalte) oder der Nägel?
  10. Hatten Sie jemals eine Augenentzündung (ausgenommen eine bakterielle Bindehautentzündung!) bzw. haben Sie die Diagnose „Uveitis“ oder „Iridozyklitis“ in Bezug auf Ihre Augenentzündung gehört?
  11. Gibt es in Ihrer nahen Verwandtschaft (nur Eltern, Geschwister und eigene Kinder!) Fälle von Psoriasis oder chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa?
  12. Haben Sie eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa?
  13. Wurde bei jemandem in Ihrer nahen Verwandtschaft (nur Eltern, Geschwister und eigene Kinder!) oder bei Ihnen selbst der sog. „HLA-B27“ mittels Labortest (Blutabnahme) positiv bestimmt?
Auswertung:

Sie könnten an einer entzündliche Wirbelsäulenerkrankung bzw. Morbus Bechterew erkrankt sein,

  • wenn Sie von den Fragen 1-7 mindestens 1 mit JA beantworten und von den Fragen 8-13 mindestens 2 mit JA beantworten, oder
  • wenn Sie von den Fragen 6-13 mindestens 5 mit JA beantworten.

In diesem Fall würden wir Ihnen empfehlen gleich einen Termin mit einem Rheumatologen zu vereinbaren.

Der Rheumatologe ist der richtige Arzt für Morbus-Bechterew-Patienten, da es sich um eine rheumatische Erkrankung handelt. Die Autoimmunerkrankung beginnt oft mit unspezifischen Rückenschmerzen, was die Diagnosestellung erschwert und manchmal Jahre dauern kann.

Eine gründliche Vorbereitung auf das Anamnese-Gespräch durch Notieren von Vorerkrankungen und Symptomen hilft dem Arzt, ein umfassendes Bild zu erhalten. Auch Beschwerden, die nicht offensichtlich mit der Krankheit zusammenhängen, sollten beachtet werden. Entzündungen, die mit der Krankheit einhergehen, können im MRT sichtbar gemacht werden, während die langfristigen Auswirkungen der Entzündungen auf die Wirbelgelenke im Röntgenbild festgestellt werden können. Laborwerte und bildgebende Verfahren können Hinweise liefern, aber ein einzelner Wert allein reicht nicht für eine eindeutige Diagnose von Spondylitis ankylosans aus.

Der „Gasteiner Heilstollen“, als weltweit größtes Behandlungszentrum für Morbus Bechterew, verfügt über Ärzte &  Spezialisten mit umfassender Expertise und langjähriger Erfahrung in der Betreuung und Behandlung dieser spezifischen rheumatischen Erkrankung. Die besonderen therapeutischen Bedingungen des Heilstollens mit Radontherapie, kann Patienten dabei unterstützen, ihre Symptome zu lindern und ihre Lebensqualität zu verbessern.

Ein positiver Nachweis des HLA-B27-Erbanlage in Verbindung mit anderen Symptomen deutet auf die Erkrankung hin. Allerdings haben nicht alle Betroffenen diesen genetischen Faktor, und nicht alle mit HLA-B27 sind an Morbus Bechterew erkrankt.

Lesen Sie dazu unseren Blogbeitrag: Diagnose des Morbus Bechterew nicht immer einfach

Es wechseln sich schmerzhafte Phasen, in denen sich die Beschwerden verschlimmern, mit Phasen leichter Erholung durch fast beschwerdefreie Intervalle ab. Wie lang diese Phasen dauern, wie oft Krankheitsschübe auftreten und wie stark diese verlaufen ist von Patienten zu Patienten unterschiedlich. In der Regel werden die krankheitsbedingten Beeinträchtigungen von Krankheitsschub zu Krankheitsschub schlimmer. Schmerzen, Steifigkeit und Deformationen der Wirbelsäule nehmen zu.

Je länger die Krankheit voranschreitet, desto deutlicher grenzen sich die Beschwerden von anderen Krankheitsbildern ab. Zudem lässt sich der Morbus Bechterew besser diagnostizieren, denn Röntgenbilder zeigen ausgeprägte Knochenveränderungen, Schmerzen und Bewegungseinschränkungen lassen sich besser lokalisieren. Laborbefunde, genetische Nachweise und die Magnet-Resonanz-Tomographie (MRT) liefern zudem eindeutige Befunde.

Für den Patienten zeigt sich die fortgeschrittene Erkrankung an folgenden Symptomen:

  • Schmerzen betreffen neben dem unteren Rücken auch weitere Bereiche der Wirbelsäule
  • Schmerzen verstärken sich
  • Bewegungsfähigkeit verringert sich
  • chronische Erschöpfung mit Fieber
  • langsam fortschreitende Versteifung der Wirbelsäule bis hin zum krummen Rücken
  • Entzündungen betreffen auch Iris (Regenbogenhaut), Herz, Nieren oder Lunge

Frühzeitig mit der Behandlung des Morbus Bechterew zu starten ist entscheidend, denn man kann selbst viel dazu beitragen, den Verlauf der Erkrankung zu verbessern.

Wandern mit StöckenGrundsätzlich haben Morbus Bechterew Patienten mit guter Krankheitskontrolle die gleiche Lebenserwartung wie gesunde Menschen. Auch die Sterblichkeit wird durch Morbus Bechterew in diesem Fall nicht beeinflusst. Zur Verkürzung der Lebenserwartung können jedoch in seltenen Fällen die Nebenwirkungen von eingenommenen Medikamenten bzw. auch eine nicht ausreichende Unterdrückung der Krankheitsaktivität beitragen. Während die medizinische Prognose hier sehr klar ist, kann die Lebensqualität bei Betroffenen stark variieren:

 

Mehr dazu:

Die genauen Ursachen von Morbus Bechterew sind bisher unbekannt, was die Prognose komplex gestaltet und eine komplette Heilung aktuell noch ausschließt. Trotzdem lassen sich mit den vorhandenen Therapieansätzen der Krankheitsverlauf positiv beeinflussen und die Symptome signifikant reduzieren. Durch eine Kombination aus Lebensstilanpassungen, regelmäßigen Kuren, aktive Selbsthilfe, physiotherapeutischen Maßnahmen und medikamentöser Behandlung können Betroffene das Fortschreiten der Erkrankung oft verlangsamen und eine spürbare Linderung der Beschwerden erreichen.

Besonders in frühen Stadien der Erkrankung kann eine zielgerichtete Therapie das Erreichen des Endstadiums hinauszögern. Mit fortschreitender Forschung und dem Verständnis der Erkrankung besteht zwar die Hoffnung, dass Morbus Bechterew bald heilbar sein könnte – bis dahin liegt der Fokus aber auf der Linderung der Symptome und der Erhaltung der Funktionen und Mobilität der Patienten.

 

Leider bleibt es oftmals nicht bei Morbus Bechterew und es treten Begleiterkrankungen auf: