Patient mit Morbus Bechterew im Außenbereich im Gasteiner Heilstollen während Corona.

Dank Heilstollen kaum Versteifungen

Morbus Bechterew:

Es sind die besonderen Momente im Leben eines Heilstollenmitarbeiters: Man sitzt nichtsahnend am Schreibtisch, es klopft und wenige Augenblicke später steht ein Heilstollen-Gast freudestrahlend im Büro, weil er vom Kurerfolg so begeistert ist. Im Falle von Gotthard Baumann durfte sich unsere Mitarbeiterin sogar noch eines kleinen „Tänzchens“ erfreuen, mit dem Gotthard eindrücklich zeigte, dass er auch nach 36 Jahren mit der Krankheit Morbus Bechterew dank Heilstollen-Kuren absolut beweglich und nur wenig versteift ist. Wir haben mit dem lebenslustigen Rentner aus Bayern gesprochen:

 

Patient berichtet – seit 36 Jahren an Morbus Bechterew erkrankt

Herr Baumann, mehr als ein halbes Leben leiden Sie an Morbus Bechterew, wie wurde die Krankheit damals erkannt?

„Das war 1984, ich hatte unglaubliche Schmerzen, vor allem in der Wirbelsäule. Aber irgendwie war mein gesamter Bewegungsapparat betroffen. Ich litt unter Fersensporn, meine Sprung- und Kniegelenke waren geschwollen und schmerzten, so dass ich kaum noch richtig gehen konnte. Immerhin war ich damals ja erst 30 Jahre alt.“

Wie erging es Ihnen, als feststand, dass Sie Morbus Bechterew haben?

"Das war ein herber Schlag für mich. Ich fühlte mich zu jung für sowas. Als alleinerziehender Vater war das für mich eine sehr schwere Zeit.“

Aber Sie haben sich nicht mit den Schmerzen und der Diagnose abgefunden?

„Nein! Mit 35 Jahren sollte ich schon berentet werden. Das habe ich abgelehnt. Mit 35 Jahren kann man doch nicht in Rente gehen, oder? Ich habe dann viele Sachen ausprobiert. Eine Schwefelkur und Moorbäder, aber das hat nichts geholfen. Ich schluckte die Medikamente, sogar ein Jahr lang die Höchstdosis Diclofenac. Aber auch das half nichts. Ich entwickelte eine Allergie auf die Medikamente, nahm schließlich sogar Cortison, das half ein bisschen.“

Wie sind Sie schließlich auf den Gasteiner Heilstollen gekommen?

„Mein Orthopäde gab mir den Rat, es mit einer Kur im Heilstollen zu versuchen. Also bin ich zwei Jahre nach der Diagnose, vor 34 Jahren, das erste Mal zur Kur nach Gastein gefahren.“

Seither sind es 17 Kuren geworden. Sie müssen einen Erfolg gehabt haben.

„Ja! Und was für einen! Ich war beim ersten Mal sieben Wochen auf Kur. Danach sprang ich durch die Gegend wie ein junges Reh. Ich habe mich wirklich absolut gesund gefühlt, ganze 11 Monate lang und zwar ohne jedes Schmerzmittel.“

Was genau hat die Kur bewirkt?

„Sie hat meine Beschwerden auf allen Ebenen gelindert. Neben den Schmerzen, die ich oft schon bei geringen Unterkühlungen hatte, ist auch beispielsweise das nächtliche Schwitzen unter dem ich vor allem im Schub oft litt, verschwunden. Vor der Kur hatte ich den typischen Bechterew-Gang: Die Schultern nach vorgezogen und mit steifer Hüfte schaukelte ich beim Gehen. Wie ein „Entengang“. Seit der 1. Kur im Heilstollen habe ich das nicht mehr. Meine Versteifungen sind fast völlig weg, ich bin beweglich, fühle mich gut. Bei der Rückfahrt mit dem Auto nach Hause habe ich sogar überrascht festgestellt, dass ich den Schulterblick wieder wunderbar machen kann. Das funktioniert wieder hundertprozentig und ist der Erfolg des Heilstollens. In jungen Jahren konnte ich dank der Heilstolleneinfahrten wieder ein ganz normales Leben führen. Surfen, Segeln und Skifahren zum Beispiel. Das ist heute nicht mehr so wichtig. Wenn ich eine Kur mache, habe ich jedes Mal einen guten Effekt, komme gut durch die kalte Jahreszeit und habe auch keine Grippe oder so etwas.“

Und im Stollen selbst, wie empfinden Sie die Einfahrten?

„Als ich die ersten Male eingefahren bin, war das alles schon ein bisschen wie Abenteuer. Als junger Mann durfte ich sogar mal vorn auf der Lok mit einfahren, das war klasse. Heute bin ich ja ein alter Hase, was Einfahrten angeht.“

Was tun Sie für Ihre Gesundheit außerhalb des Stollens?

„Ich habe mal Radonbäder ausprobiert, aber hier war der Nutzen nicht so gut. Für mich ist der Heilstollen wichtiger als jedes Medikament. Und als zweites ist die richtige Bewegung, Übungen gegen die Versteifung zum Beispiel, sehr wichtig. Das habe ich von Anfang an gemacht, denn wenn man als Bechterew-Patient erst einmal steif geworden ist, ist’s zu spät. Daher sollte man schon früh in den Heilstollen fahren und von Anfang an Übungen machen.“

Nun sind Sie Rentner, wie genießen Sie Ihre Zeit?

Mein Hausbau nimmt mich jetzt in Anspruch und ich muss auch noch Arbeiten, weil ich viele Jahre Selbstständig war und kaum Rente bekomme. Aber ich achte schon auf mich. Ein Mittagsschläfchen gehört dazu und ich gönne es mir, jeden Morgen im Café zu frühstücken. Ich bin sehr zufrieden und mir geht’s gesundheitlich sehr gut

Vielen lieben Dank für das offene Gespräch. 

Alle Magazin Beiträge zu Morbus Bechterew

Weitere Beiträge

zur Magazin-Übersicht