Wissenschaftliche Informationen Gasteiner Heilstollen.

Studien sprechen für „Viren-Feindlichkeit“ des Heilstollenklimas

weltweit einzigartig

Mit dem Auftreten des Corona-Virus (COVID-19) sind virale Übertragungswege in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Kaum jemals haben wir soviel über Tröpfcheninfektionen, die Wichtigkeit des Händewäschens und Risikofaktoren sich anzustecken erfahren. Die gute Nachricht bezüglich der Übertragung viraler Erkrankungen: Das Klima im Gasteiner Heilstollen gilt als virenfeindlich. 

Klar ist auch Viren hat es schon immer und wird es immer geben. Gerade in Gesundheitseinrichtungen wie dem Gasteiner Heilstollen hat sich im Zuge der Corona-Pandemie der Fokus auf Übertragungswege noch einmal verschärft. Denn auf der Suche nach nach effektiven Gesundheitsangeboten kommen eben vor allem Patienten in den Stollen, die aufgrund ihrer Grunderkrankung oder den eingenommenen Medikamenten besonders infektanfällig sind. So werden beispielsweise Autoimmunerkrankungen oft mit Medikamenten behandelt, die die Aktivität des Immunsystems beeinflussen.  

Etwa 12.000 Patienten kommen jedes Jahr in den Gasteiner Heilstollen, um ihre entzündlich-rheumatischen und degenerativen Erkrankungen oder chronische Schmerzen zu lindern. Doch wie hoch ist eigentlich die Gefahr sich im Heilstollen mit einem Virus anzustecken?  Die derzeitige Studienlage zeigt, dass die klimatischen und physikalischen Verhältnisse im Gasteiner Heilstollen virenfeindlich sind. Die Ansteckungswahrscheinlichkeit ist im Gasteiner Heilstollen in keinem Fäll erhöht, sondern vermutlich sogar deutlich geringer als in anderen Situationen.

Alle wichtigen Punkte in der Übersicht:

  • Wärme und hohe Luftfeuchtigkeit minimieren die Übertragungsrate von Viren
  • die Schutzhülle einiger Viren bricht bei höheren Temperaturen leichter
  • eine hohe Luftfeuchtigkeit „entschärft“ Tröpfchen, die beim Niesen, Husten oder Sprechen entstehen
  • das Heilklima im Gasteiner Heilstollen ist förderlich für die lokale Abwehrfunktion der Schleimhäute und für die Arbeit des gesamten Immunsystems
  • darüber hinaus mehren sich Hinweise, dass auch der Hyperthermie-Effekt, das Radon selbst, die alpine Höhenlage sowie die geringe Schadstoffbelastung im Gasteinertal positive Auswirkungen auf die Gesundheit haben

Einfluss von Temperatur & Luftfeuchtigkeit

Das Klima im Gasteiner Heilstollen ist feucht und warm: Von 37 Grad bei 75 Prozent Luftfeuchtigkeit auf Station 1 bis zu 41 Grad bei fast 100 Prozent Luftfeuchtigkeit auf Station 4. Diese klimatischen Verhältnisse haben einen negativen Einfluss auf die Übertragungs- und Infektionsrate von Viren. Dies wurde in wissenschaftlichen Studien untersucht und nachgewiesen.

Kürzlich publizierte Studien zeigen, dass die Übertragungsrate stark von Temperatur und Luftfeuchtigkeit abhängt. So senkt bereits eine Erhöhung der Lufttemperatur um 1 Grad und 1 % mehr Luftfeuchtigkeit die effektive Reproduktionsrate R beispielsweise von SARS-CoV-2. Eine mögliche Erklärung ist, dass viele Viren bei kalten Temperaturen stabiler sind und die Tröpfchen, die das Virus enthalten, bei trockener Kälte länger in der Luft bleiben. Darüber hinaus scheint beispielsweise das Corona-Virus bei steigender Temperatur und Luftfeuchtigkeit drastisch an Überlebensfähigkeit zu verlieren. Die Schutzhülle des Corona-Virus bricht leicht bei höheren Temperaturen auf und eine höhere Luftfeuchtigkeit vermindert die Übertragungsrate von Mensch zu Mensch, beispielsweise weil größere Tröpfchen auf Grund der Schwerkraft schneller zu Boden sinken.

Des Weiteren führt kalte, trockene Luft zu einer Schwächung des Immunsystems und macht dadurch den Organismus anfälliger für eine Infektion. Die feuchte Wärme im Gasteiner Heilstollen wiederum sorgt für eine bessere Durchblutung und Befeuchtung der Schleimhäute und bessere Abwehrfunktion bei Atemwegserkrankungen.
Hohe Temperaturen und Luftfeuchtigkeiten im Gasteiner Heilstollen führen zu einer Erhöhung der Kernkörpertemperatur bis zu 39°, was einem therapeutischen Fieber entspricht. Fieber entwickelt der Körper auch bei viralen oder bakteriellen Infektionen, um die Effektivität des Immunsystems zur Bekämpfung der Infektion zu erhöhen. Es gibt Hinweise, dass auch durch das therapeutische Fieber Erreger schneller attackiert werden.

Einfluss von Viren in der Luft

Viele Viren werden durch Tröpfchen oder Aerosole von infizierten Personen übertragen. Dabei gilt: Je kleiner die Tröpfchen, desto länger bleiben sie in der Luft, ehe sie zu Boden sinken. Luftverwirbelungen und klimatische Verhältnisse beeinflussen die Fallgeschwindigkeit.

Unterschiedliche menschliche Aktivitäten produzieren mehr oder weniger Tröpfchen:

  • Niesen produziert ca. 40.000 Partikel
  • Husten produziert ca. 710 Partikel
  • beim Sprechen werden ca. 36 Partikel pro 100 Worte ausgestoßen
  • bei lautem Sprechen bzw. Singen erhöht sich die Anzahl der Tröpfchen

Im Gasteiner Heilstollen steigt die Luftfeuchtigkeit bis auf fast 100 Prozent an, und es ist zu vermuten, dass Partikel beispielsweise nach dem Niesen, Husten oder Sprechen rasch auf Wasserdampf in der Luft treffen, dadurch vermutlich an Größe gewinnen und aus physikalischen Gründen schneller zu Boden fallen.

Patienten mit Husten und Schnupfen und/oder Fieber dürfen nicht in den Heilstollen einfahren. Außerdem gilt im Heilstollen ein Ruhegebot (Nicht-Sprechen) ab der Einfahrt in den Heilstollen und auch im Therapiebereich. Dies wird von den Patienten in der Regel eingehalten.

Einfluss des Radons

Radon, das im Gasteiner Heilstollen natürlich aus dem Gestein austritt, hat ersten Studien nach möglicherweise einen inaktivierenden Effekt auf Viren. Zudem löst Radon im Körper Prozesse aus, die vermutlich eine Immunantwort auf ein Virus unterstützen.

Auf Grund der immunmodulierenden Eigenschaften der Heilstollentherapie können viele Patienten nach einer Kur immunmodulierenden Medikamente reduzieren oder gar absetzen. Somit könnte die Heilstollenkur das Risiko für schweren Verläufe einer viralen Infektion möglicherweise sogar reduzieren.

Mehr Informationen darüber wie die Heilstollentherapie beispielsweise Rheumatikern hilft, Biologika zu reduzieren finden Sie im Artikel Wie Rheuma-Patienten Biologika reduzieren können

Hinweise

Der Übertragungs- und Infektionsmechanismus von Viren allgemein ist komplex und noch nicht in allen Aspekten ausreichend erforscht. Es gibt jedoch bereits viele Befunde und Hinweise, die zeigen, dass eine Ansteckung im Gasteiner Heilstollen auf Grund der bestehenden klimatischen und physikalischen Bedingungen deutlich reduziert ist. In jeglicher Lebenssituation besteht eine Restgefahr, doch es darf nicht vergessen werden, dass die Wirkfaktoren der Heilstollentherapie bei wiederholten therapeutischen Einfahrten, positive gesundheitliche Effekte, u.a. auf das Immunsystem, haben.

Unserem Wissen nach gab es in der 68-jährigen Geschichte des GHST mit therapeutischen Einfahrten nie ein größeres Problem mit einer erhöhten Ansteckungsgefährdung, hohen Infektionsraten bzw. einer Epidemie, auch nicht in Zeiten, die durch eine Grippeviren-Welle gekennzeichnet waren.

Quellen

Die Informationen aus diesem Beitrag stammen aus dem Artikel „Der Gasteiner Heilstollen und eine mögliche Ansteckungsgefahr im Therapiebereich mit Viren“, Offenbächer et al (2020), der zuerst in der Zeitschrift Journal rheuma plus, 1-6 erschienen ist.

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